Erfahrungsbericht Online-Bewerbung
In einem Online-Stellenvermittlungsportal ist ein Arbeitsangebot über eine Kaufmännische Fachkraft – Gehaltsabrechnungen zu finden. Sie suchen zum schnellstmöglichen Zeitpunkt für einen Ihrer Kunden eine Krankheitsvertretung für mind. 3 Monate. Das Aufgabengebiet umfasst: die eigenständige Gehaltsabrechnung von 250 Mitarbeitern, das Zeiterfassungssystem verwalten, die Einhaltung der Fristen der Personalverwaltung kontrollieren, Auswertungen selbstständig durchführen, Personalakten verwalten, Rechnungen prüfen, Unterlagen für Betriebsprüfungen vorbereiten und es wird eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung vorausgesetzt.

Online-Bewerbungen bei Personalvermittlern
Die Bewerbung ist möglich über das Online-Formular des Stellenanbieters oder direkt über die Bewerbungs-Homepage der Personalvermittlungsfirma. Ich wähle das Online-Formular, um meine vorbereiteten Bewerbungsunterlagen direkt nutzen zu können. Ich war auch nur an diesem Stellenangebot interessiert und keinesfalls wollte ich in die Maschinerie einer Personalvermittlungsfirma eingebunden werden. Bereits kurz nach dem Versenden der Unterlagen erhielt ich einen Telefonanruf, in dem ich darum gebeten wurde, meine Daten auf ihrer Homepage einzutragen; den Link dazu erhielt ich unmittelbar danach per mail. So begann ich das Übertragen der Daten aus meinen schriftlichen Unterlagen, die ja bereits bei der Personalfirma vorlagen. Ich fand ein perfekt ausgearbeitetetes Textbausteinsystem vor; sie haben an alles gedacht – kein Detail fehlte. Allerdings zeigte das System für meine Bedürfnisse bereits nach kurzer Zeit seine Schwächen: bei der Tätigkeitsangabe gab es nur eine Auswahlmöglichkeit (keine Mehrfachangaben), aber was sollte ich tun, wenn ich als kaufmännische Leiterin und Personalleiterin gearbeitet habe – sollte ich jetzt entscheiden, welches die wichtigere Tätigkeit gewesen ist? Ich entschied mich für Personal / HR, denn ich hatte mich ja schliesslich als Fachkraft – Gehaltsabrechnungen beworben.
Dann wollten sie von mir detailliert alle PC-Kenntnisse erfahren mit dem vorhandenen Kenntnisstand (keine Erfahrung, Grundkenntnisse, mittlere Erfahrung, gute und sehr gute Erfahrung), wann zuletzt angewendet mit dem dazugehörigen Anwendungszeitraum (6 Monate bis zu länger als 2 Jahre). Hierbei durfte ich aus einer Vielzahl von Programmen auswählen.
Ich hatte jetzt bereits mehr als 1 Stunde damit zugebracht, Daten in ein Formular zu übertragen, die bereits auf meinem übermittelten, tabellarischen Lebenslauf einzusehen waren. Was jetzt noch an Angaben gewünscht wurde, ließ sich recht schnell erledigen. Dazu gehörten die Sprachkenntnisse, die ausserberuflichen Erfahrungen und Praktikas, die betrieblichen Weiterbildungs- und Trainingsmassnahmen, die Angabe nach dem Führerschein und den Grad der Behinderung (freiwillige Angabe). Ich drückte den Button “Absenden” und hielt meine Aufgabe für abgeschlossen.
Es dauerte nicht lange und ich erhielt einen erneuten Anruf der Personalvermittlung mit dem Hinweis, daß die fachspezifischen Kenntnisse noch nachgetragen werden müssen. Aber was mich damit erwartete, sprengte schon meine Vorstellungskraft. Im Bereich Berufserfahrungen hatte ich bereits Angaben zu Arbeitgeber, Funktion, Tätigkeitsbereich und -beschreibung gemacht und auf dieser Basis sollten nun noch weitere nähere Angaben gemacht werden. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, welch aufwendige Arbeit damit auf mich zukommen sollte, zeigt folgendes Beispiel: ein Unterpunkt lautete Personalbeschaffung / Personalmarketing, das dann weiter aufgegliedert war in: Dienstleister-Kenntnisse, eRecruiting, Internationale Personalbeschaffung, Marktstrategie/ Marktbearbeitung, Personalauswahl, Print-Anzeigen und Recruiting/ Personalmarketing. Diese waren dann wieder in ca. 20 Unterpunkte aufgeteilt und hier wurde dann der genaue Kenntnisstand abgefragt (Kenntnisstand, wann zuletzt angewendet, Anwendungszeitraum). Spätestens hier wurde mir klar, wenn ich meinem Charakter folgend diese Angaben vollständig abgeben möchte, würde es ein abendfüllendes Programm, denn ich hatte zunächst nur einen Punkt im Personalbereich ausgewählt, ganz zu schweigen von den gesamten Tätigkeiten aus dem Finanz- und Rechnungswesen.
So entschied ich mich kurzerhand, meine Bewerbung zurückzuziehen und teilte das der Personalvermittlung mit in der Hoffnung, daß sie sich mit den bisher gemachten Angaben zufriedenstellen würden, da ich auch meine Gründe kurz mitteilte. Ihre Reaktion war jedoch ein Bedauern und das sie selbstverständlich die bereits übermittelten Daten kurzfristig löschen würden.

