Sinnvolle Arbeit macht glücklicher
„Was machst Du eigentlich beruflich?” ist häufig eine der ersten Fragen, wenn sich Menschen kennenlernen. Beruf und Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert: zum einen ermöglicht sie uns einen gewissen Wohlstand, aber auch unser Selbstwertgefühl wird darüber identifiziert.

Sinnvolle Arbeit mit einem gesellschaftlichen Nutzen macht am glücklichsten
Durch eine entsprechende Berufstätigkeit erhalten wir Anerkennung, Bestätigung und Glücksgefühle. Mihaly Csikszentmihalyi hat in seiner Flow-Theorie (flow: fliessen) festgestellt, daß in dem Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit die optimale Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck hergestellt wird und somit als besonders anstrebenswert ist. Um in einen solchen Zustand zu gelangen, müssen wir lt. Csikszentmihalyi
- – der Arbeit gewachsen sein,
- sie muß entsprechende Ziele haben,
- wir bekommen eine sofortige Rückmeldung,
- wir haben Kontrolle über die Arbeit,
- die Sorgen um uns herum verschwinden und
- das Gefühl für die Zeit verändert sich.
Die Arbeit darf uns also nicht zu sehr überfordern, aber auch das Gegenteil (Unterforderung) ist von Nachteil für den Flow-Zustand; es bedeutet, in eine Tätigkeit so vertieft zu sein, daß nichts anderes mehr zählt.
Aber macht dann Arbeit umgekehrt unglücklich, wenn dieser Zustand nicht eintritt? Wir haben heute häufiger den Eindruck, daß Menschen entsprechende Herausforderungen und Motivation fehlen, um mit Freude ihrer Arbeit nachzugehen. In der Studie der Beratungsfirma Gallup aus 2006 fühlen sich die meisten Arbeitnehmer nicht an ihre Firma gebunden und ein fünftel sabotiert sogar gegen die Interessen ihrer Chefs und in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise werden sich diese Zahlen sicherlich nicht positiver entwickelt haben.
Gallup unterteilt die Beschäftigten in drei Gruppen:
Fast ein Fünftel der Beschäftigten gehört zur ersten der Mitarbeiter, die keine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben. Sie arbeiten aktiv gegen die Interessen des Unternehmens, haben die innere Kündigung vollzogen oder sind mit der Arbeitssituation unglücklich.
Zur Gruppe zwei (geringe emotionale Bindung) gehören diejenigen, die zwar nicht aktiv sabotieren, aber nur Dienst nach Vorschrift leisten (68 Prozent). Gruppe eins und zwei addieren sich auf 87 Prozent.
Nur 13 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland zählen demnach zur dritten Gruppe (hohe emotionale Bindung) und dürfen damit als besonders produktiv für die Unternehmen eingeschätzt werden.”
Worin liegen die Gründe, dass sich immer weniger Arbeitnehmer mit ihrem Unternehmen identifizieren?
Viele Mitarbeiter spüren, daß der erbrachte und geforderte Einsatz häufig nicht mehr mit dem gewonnenen Nutzen übereinstimmen. Seit Jahren wird den Arbeitnehmern vermittelt, daß aufgrund des technologischen Fortschritts immer mehr Arbeitsplätze eingespart werden müssen und das führt zu einem Konkurrenzkampf innerhalb einer Gesellschaft, aber auch in Unternehmen. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat und damit den sozialen Abstieg befürchtet, handelt nicht mehr aus Freude, sondern aus Pflichtgefühl und um seinen Arbeitsplatz so lange wie möglich gesichert zu sehen, ist er zu unverhältnismässig hohen Zugeständnissen bereit. Dies führt aber zu Frust und Stress und häufig reagieren die Arbeitnehmer dann mit körperlichen oder psychischen Symptomen (Burnout-Krankheiten haben in den letzten Jahren stark zugenommen). Was hier von den Unternehmen gefordert wird (hoher Einsatz), wird somit zum Boomerang aufgrund von hohen Krankheitsständen.
Ein weiterer Grund für „Arbeiten nach Vorschrift” liegt darin, daß Mitarbeiter nicht mehr das Gefühl haben, ein Teil der Firma zu sein und bei der Erstellung von internen Prozessen einbezogen zu werden, das heißt eine sofortige Rückkoppelung fehlt und damit die Anerkennung für geleistete Arbeit. Das würde nämlich eine eigene Motivation von innen heraus voraussetzen, die aber gerade bei unzufriedenen Arbeitnehmern fehlt und Motivation von Chefs ist nur soweit nützlich, als das sie auch glaubwürdig ist und von ihnen auch vorgelebt wird. Aber haben wir nicht zu häufig den Eindruck, daß Führungskräfte nicht nach den sozialen Kompetenzen ausgewählt werden, sondern nach fachlichen Qualifikationen, die ihrerseits kein Interesse an einer „Wohlfühl-Oase” haben. Selbst wenn erkannt wird, daß zu einer guten Personalführung auch Motivation gehört, werden häufig die falschen Methoden dazu angewendet. Um Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzuspornen, werden in erster Linie materielle Belohnungen eingesetzt, wie Prämien, Bonus, Firmenwagen oder Aktienoptionen. Aber auch diese Anreize sind nur von kurzer Dauer und fördern im Gegenteil nur weiteres Konkurrenzdenken und sind damit kontraproduktiv. Viel effizienter ist eine Übertragung von Verantwortung und ein Einbeziehen in interne Entscheidungsprozesse.
Eine besonders hohe Zufriedenheit besteht zumeist dann, wenn die Arbeit zusätzlich als nützlich für die Gesellschaft eingeschätzt wird. Das fällt allerdings immer schwerer in Zeiten von Missmanagement und Korruptionsfällen. Das Vertrauen in unsere Wirtschaft und Politik hat in den letzten Jahren so sehr gelitten, daß oft gute Ansätze des Einzelnen keine Würdigung mehr erhalten. Wo Anerkennung und entsprechende Entlohnung für Menschen fehlt, die sich Tag für Tag in sozialen Berufen engagieren, da fällt auch die Motivation. Selbst in überdurchschnittlich gut bezahlten Berufen mit entsprechender Anerkennung wird die Arbeitszufriedenheit dann fallen, wenn die Arbeit zwar als nützlich für die Gesellschaft angesehen wird, aber keine Identifikation mit den Leitmotiven des Unternehmens besteht. Ein ehemaliger Banker erzählte schon vor Jahren von dem Druck, dem sie ausgesetzt sind; er empfand sich schon lange nicht mehr als Berater, sondern nur noch als Verkäufer. Er konnte sich mit den Praktiken seiner Bank nicht mehr arrangieren und hat nach über 25 Jahren gekündigt.
Was am Ende am meisten zählt: ein ehrlich gemeintes Lob und persönliche Wertschätzung des direkten Vorgesetzten – daraus zieht der Arbeitnehmer seine persönliche Anerkennung und das bildet einen wesentlichen Grundstein zur Arbeitszufriedenheit.


Das war sehr interessant zum Lesen. Danke schön dafür. Meiner Meinung nach indentifizieren sich die Menschen mit ihrem Beruf. Je besser sie sich auf dem Arbeitsplatz fühlen, desto mehr Freude haben sie am Leben.
Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Sehr guter Artikel. Danke
Das kann ich zu 100% unterschreiben!
Bei mir in der Firma war es ebenso, hoher Einsatz-
Cholerischer Chef, neidische Kollegen….
5 Jahre -jetzt hab ich gekündigt und überlege
ob ich mich selbständig mache!
Na gut nur Mut!
Alles liebe euch allen da draussen