Sichere Arbeitsplätze – ein Märchen vergangener Zeiten
Seit heute ist es offiziell: Quelle geht in die Insolvenz. Seit Monaten wird darüber spekuliert, wie es mit diesem alten Traditionsunternehmen (gegründet 1927) wohl weitergehen wird.
Auf der Suche nach einem „Traumjob“ mit Perspektive werden alle Möglichkeiten durchgespielt und dazu gehören auch Festanstellungen in großen Traditionsunternehmen. Dabei fällt man über Schlagzeilen wie: „Ausverkauf bei Quelle“, „Niemand wollte Quelle, noch nicht einmal geschenkt“ oder „5000 Jobs fallen weg“ und dabei wird klar, daß es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt. Immer häufiger geraten auch gut aufgestellte Unternehmen plötzlich in Schieflage, siehe dazu auch Porsche, und die Mitarbeiter sehen sich solchen Entwicklungen hilflos ausgesetzt. Ganz plötzlich und häufig nicht vorhersehbar bangen sie um ihre Arbeitsplätze und müssen sich innerhalb von wenigen Wochen um Alternativen bemühen.
Auch bei Quelle wird seit Jahren von Missmanagement und Passivität gesprochen und kaum ein Mitarbeiter hat Einblick in die wirklichen Zusammenhänge – wie es dazu kommen konnte. Er sieht sich nur dem plötzlichen Verlust seines Arbeitsplatzes ausgesetzt und ob es Abfindungen gibt oder nicht, hängt von der Konkursmasse ab und da Quelle bereits seit Jahren mit undurchsichtigen Geschäftsmodellen finanziell ausgeblutet wurde, werden die Angestellten die Leidtragenden sein. Auch das ist kein Einzelfall: die „Schmuckstücke“ des Unternehmens werden ausgelagert und verwertet, bis nur noch ein völlig wertloses Gerüst übrig bleibt, das dann in die Insolvenz geschickt wird. Dazu gehören auch die Mitarbeiter, die damit um ihre berechtigten Abfindungen gebracht werden. Warum solche Geschäftsmethoden gewählt werden, kann nur spekuliert werden. Man sollte sich jedoch fragen, warum Opel gerettet wird und Quelle still und heimlich vom Markt verschwindet und eins ist sicher: schon das alte deutsche Sprichwort sagt – „wo ein Wille, da auch ein Weg“. Dieser eingeschlagene Weg ist möglicherweise von langer Hand geplant gewesen.
Der Insolvenzverwalter von Quelle gibt zwei hauptsächliche Gründe an, warum ein Verkauf gescheitert ist: zum einen ist das sog. Factoring gescheitert. Dabei geht es um ein Vorfinanzieren der Kundenforderungen durch Banken und als zweiten Grund gibt er Uneinigkeit über die Strategie des Vertriebes an. Götz wollte einen Teil der Shops erhalten, was die Investoren abgelehnt haben. Vermutet werden darf wohl weiter, daß dies nicht die einzigen und vollständigen Gründe für die Insolvenz waren und auch die vom Steuerzahler getragenen Staatshilfen konnten die Pleite nicht abwenden. Nicht das erste Mal müssen die Steuerzahler zusehen, wie große Summen von Unterstützung in den Sand gesetzt werden und hiermit darf die Frage aufgeworfen werden, in wie weit sich der Staat in unternehmerischen Entscheidungen einmischen darf. Auch hier gilt: solange kein Politiker für Fehlentscheidungen persönlich haften muß, wird es solche Entwicklungen wohl weiter geben. Wie viele Kleinunternehmer oder Existenzgründer hätte man wohl mit diesem Geld unterstützen können? Aber stattdessen werden hohe Abfindungen an Manager und Insolvenzverwalter gezahlt:
Thomas Middelhoff, der Ende Februar abtrat, soll für den vorzeitigen Abgang angeblich vier Mio. Euro versprochen worden sein. Nachfolger Eick, gerade einmal 185 Tage im Amt, kassierte 15 Mio. Euro. Und auch Insolvenzverwalter Görg darf sich, so jedenfalls glauben Branchenkollegen wie Christian Heintze von der Chemnitzer Kanzlei Brockdorff, auf einen siebenstelligen Betrag freuen. Andere Schätzungen gehen sogar von einer Vergütung in zweistelliger Millionenhöhe aus. (Handelsblatt vom 21.10.09)
Viele in unserer Gesellschaft haben schon lange den Eindruck, das es auf dem Arbeitsmarkt nur noch um „Fressen“ und „Gefressenwerden“ geht und der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert. Menschen suchen nach anderen Möglichkeiten des Gelderwerbs und der Markt für Zweitjobs boomt. Zeitarbeitsfirmen sprießen aus dem Boden, wollen an dem Geschäft teilhaben und Nebenjobs mit unglaublichen Einkommensversprechungen tun ihr übriges dazu, daß viele Menschen eine große Verunsicherung spüren. Wie viele Jobs muß ich annehmen, um meine Familie über die Runden zu bringen? Wo gibt es seriöse Angebote? Welche Arbeitgeber zahlen auch den versprochenen Lohn? Menschen wollen wieder „Entscheider“ über ihr Leben sein und so suchen sie weiter nach ihrem „Traumjob“.
Weitere Links:
Quelle Insolvenz trotz Staatshilfe
Quelle-Trauerspiel mit immer gleichen Fehlern
Quelle des Zorns
Bericht vom Handelsblatt: Quelle – Opfer von Passivität und Populismus
Insolvenzverwalter macht Kasse


Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber an der Situation hat sich ja nicht wirklich etwas geändert. Ich frage mich wirklich, wie Familien mit zwei Kindern noch über die Runden kommen. Als ich klein war hat es noch gereicht, wenn der Vater arbeiten ging. Aber heute kommen mein Mann und ich mit zwei Gehältern schon kaum aus.
Ist natürlich auch ein Körnchen Humor enthalten…