US- Banken zahlen Staatshilfen zurück
Heute war in den Zeitungen folgendes zu lesen:
“Neun große Banken haben dem US-Staat mehr als 66 Milliarden Dollar zurückgezahlt – um sich so von der strengen Kontrolle zu befreien – darunter J.P. Morgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs .”
Sie wollen damit den Einfluß der Regierung auf die Bonuszahlungen und Managergehälter beenden und begründen es damit, daß die Einmischung ein Wettbewerbsnachteil sei. Wie schnell die Manager der Banken reagieren können, wenn es um ihr eigenes Geld geht, wundert uns sicherlich nicht und wir können nur hoffen, daß Barack Obama nicht zu frühzeitig die Rückzahlung der Staatshilfen genehmigt hat. Da er aber gleichzeitig eine Verschärfung der Kontrollen der Finanzmärkte ankündigte, bleibt abzuwarten, wie sich das insgesamt auswirkt. Der Entwurf sieht vor, daß zukünftig große Finanzinstitute von der Regierung übernommen und abgewickelt werden können. Dies soll einen erneuten Zusammenbruch ganzer Finanzmärkte verhindern.
Während in den USA Barack Obama sehr offen Lösungswege anspricht, scheint in Deutschland – gerade wenn es um die Staatshilfen der Landesbanken geht – großes Stillschweigen zu herrschen. Liegt es vielleicht daran, daß Obama sich keine Vorwürfe gefallen lassen muß, untätig bei der Finanzkrise gewesen zu sein (lag in der Amtszeit von George W. Bush)? Viele der Spitzenpolitiker saßen in Aufsichtsräten der Krisenbanken und haben offensichtlich ihre Funktionen nicht so wahrgenommen, wie es die Posten erwarten würde. Da ist es einfacher, keinen großen Wirbel um diese Themen zu machen. Während Barack Obama den Spitzenmanagern, die Staatshilfen erhalten haben, die Gehälter auf 500.000 Dollar kappte, konnte man sich in Deutschland darauf nicht einigen.
Warum hat man so oft den Eindruck, daß in den USA gehandelt und in Deutschland geredet wird? Auch eine grundsätzliche Obergrenze für Top-Manager soll es nicht geben, obwohl sich 70 % der Deutschen dafür aussprechen. Roland Koch hat dazu seine ganz eigene Meinung.
“Auch er empfinde manche Managergehälter als zu hoch – zumindest im Vergleich zu Politikern. Seine Lösung ist, Politiker sollen einfach mehr bekommen. Seiner Ansicht nach verdienen führende Politiker zu wenig Geld. “Die Besoldung für Politiker ist eindeutig nicht angemessen, etwa im Vergleich zu dem, was wir Verwaltungsdirektoren von Kliniken oder Sparkassendirektoren bezahlen”, sagte Koch, der auch stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ist, in der “Frankfurter Rundschau”. “Das ist politisch aber auf überschaubare Zeit nicht zu ändern”, sagte Koch. “Neid ist mir ohnehin fremd.”
Wie wenig einsichtig viele Leute aus die Wirtschaft immer noch sind, zeigt ein Protestbrief von 12 Aufsichtsratsvorsitzenden, die in sehr klaren Worten dazu aufforderten, die geplanten Änderungen bzgl. Manangervergütungen zurückzunehmen und auf freiwilliger Baiss zu belassen. Besonders die zweijährige Karenzzeit beim Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat wird von ihnen heftig kritisiert; das wundert nicht weiter bei der Position, die sie inne haben.
Irgendwie wünscht man sich in Deutschland einen Barack Obama, der notwendige Veränderungen nicht nur ankündigt, sondern auch schnell umsetzt und nicht auf Druck von Wirtschaft und Industrie in die Knie geht. Wir alle wünschen uns einen starken Staat, der veranwortungsvolles und gerechtes Handeln wieder belohnt anstatt vor den Machtansprüchen einzelner zu kapitulieren.
Und noch eine provokante Frage: Wie wäre es, wenn mehr Frauen in Spitzenpositionen in Deutschland sitzen würden, die auch wirkliche Entscheidungsbefugnisse hätten?

